Vom Dorf in die Welt

Einen Hotspot der globalen Wirtschaft erwartet man in Delligsen ehrlich gesagt nicht, wenn man das erste Mal durch den kleinen Ort im Landkreis Holzminden fährt. Doch genau hier sitzt die Bornemann Gewindetechnik GmbH & Co. KG, die sich mit ihren hochspezialisierten Produkten weltweit einen Namen gemacht hat.

Bei der Bornemann Gewindetechnik GmbH wird just in time produziert – es gibt nur wenig Lagerfläche. Die Gewinde sind so speziell, dass sich keine Massenproduktion lohnt. Foto: HWK-Bender

Zukunft bauen: Familienbetrieb aus Delligsen startet international durch und setzt dabei vor allem auf Digitalisierung.

Einen Hotspot der globalen Wirtschaft erwartet man in Delligsen ehrlich gesagt nicht, wenn man das erste Mal durch den kleinen Ort im Landkreis Holzminden fährt. Doch genau hier sitzt die Bornemann Gewindetechnik GmbH & Co. KG, die sich mit ihren hochspezialisierten Produkten weltweit einen Namen gemacht hat.

Einerseits charakterisiert der Familienbetrieb den klassischen deutschen Mittelstand: 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie lediglich einen Standort – andererseits ist er in 57 Ländern aktiv. Das Unternehmen ist also ein Paradebeispiel, wie Handwerksbetriebe den Schritt auf internationale Märkte schaffen können.

Online-Strategie als Erfolgsfaktor

„Digitalisierung ist für uns das A und O, um auf dem weltweiten Markt mithalten zu können“, erzählt Geschäftsführer Moritz von Soden im Gespräch. Besonders sichtbar wird das an der KI-Assistentin „Anna“, die den Telefondienst in 30 Sprachen übernimmt. Sie organisiert Termine eigenständig, greift auf Kalender zu und entlastet so die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „In Deutschland ist die Akzeptanz noch zögerlich. In anderen Ländern wird das viel besser aufgenommen, vor allem in Amerika“, so von Soden weiter.

Dass Innovation nicht nur in der Produktion mit neuesten Maschinen, sondern auch im Marketing stattfindet, zeigt ein Blick auf die Online-Strategie. Jona Post, verantwortlich für das digitale Marketing, bringt es auf den Punkt: „Es ist wichtig, nicht nur einen Kanal zu bespielen. Vor allem, weil wir in 20 verschiedenen Branchen vertreten sind. Wie sollen Kunden in Asien oder Australien von unserem Potenzial erfahren, wenn man ihnen nicht auf ihren gewohnten Kanälen begegnet?“

Deshalb ist auch die Website des Unternehmens in 17 Sprachen verfügbar. Social Media wird überwiegend auf Englisch bespielt. Zudem hat bezahlte Online-Werbung überhaupt erst ermöglicht, den internationalen Kundenstamm auszubauen.

Mut zur Lücke

Laut von Soden ist der Zeitpunkt perfekt, um selbst international erfolgreich zu werden. Es sei eine „große Umbruchzeit für kleine Unternehmen, die sich etwas trauen wollen“, sagt er. Statt Perfektionismus müsse man bewusst auf Geschwindigkeit setzen. Andere Länder machen das seit Jahren vor. „Manchmal reicht es, Prozesse zu 80 Prozent fertig zu haben. Dann braucht es nur noch den Mut, einfach zu starten, sie zu testen und dabei besser zu werden.“

Außerdem ist die Stärke des Unternehmens klar definiert: höchste Qualität in einer engen Nische steht im Mittelpunkt. Bei Bornemann werden Gewinde in außergewöhnlichen Dimensionen mit bis zu zwölf Metern Länge und einem Durchmesser von 300 Millimetern gefertigt. Kleinste Stückzahlen, hochkritische Bauteile und maximale Präzision machen den Betrieb zum Weltmarktführer in diesem Segment.

Unternehmenskultur auf Zukunft ausrichten

Diese klare Positionierung zahlt sich vor allem international aus. Dabei sind weniger geografische Unterschiede ausschlaggebend als vielmehr die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Branchen. In technologisch anspruchsvollen Anwendungen – etwa in sicherheitskritischen oder stark belasteten Einsatzbereichen – stehen Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit im Fokus. In weniger sensiblen Bereichen hingegen spielt der Preis oft eine größere Rolle. „Länder wie Skandinavien entscheiden sich ganz bewusst für hochwertige Lösungen“, berichtet Vertriebsmitarbeiter Tim Albrecht. Sein Tipp an andere Betriebe: „Breit aufstellen, Dinge ausprobieren und sich professionell in allen relevanten Sprachen präsentieren.“

Foto: HWK-Bender

Auch die Unternehmenskultur ist auf Zukunft ausgerichtet. Eine gemeinsam entwickelte Vision 2030 prägt die Arbeit – auch hier spielen die Werte Vertrauen, Initiative und Qualität eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig setzt man gezielt auf die nächste Generation. „Wichtig ist, auf die Expertise junger Menschen zu vertrauen. Zeiten wie diese gab es noch nie“, so von Soden.

Das zeigt sich auch im Engagement für Ausbildung und internationale Erfahrungen. Auslandspraktika und neue Kooperationen stehen auf der Agenda. Bei der Vermittlung und Durchführung hilft auch die Handwerkskammer. „Mir ist wichtig, dass Azubis nicht nur andere Sprachen, sondern auch Kulturen kennenlernen“, erzählt von Soden. Während in vielen Branchen Stellen abgebaut werden müssen, wächst die Bornemann Gewindetechnik GmbH & Co. KG weiter – aber auch als weltweiter Marktführer begegnen dem Unternehmen alltägliche Herausforderungen wie der Fachkräftebedarf. „Derzeit suchen wir vor allem Fräser und Dreher sowie motivierte Auszubildende im kaufmännischen und technischen Bereich.“

„Europa hat verstanden, wie wichtig Unabhängigkeit ist“

Dabei ist es dem Betrieb wichtig, trotz globaler Ausrichtung fest in der Region verwurzelt zu bleiben. Dadurch wird auf den eigenen Kunden gezeigt, dass es für eine Internationalisierung keine großen Standorte braucht, sondern vor allem eine klare Strategie.

Mit Blick auf die Zukunft gibt sich von Soden optimistisch. „Wir rechnen weiterhin mit einem Aufschwung, weil Europa verstanden hat, wie wichtig Unabhängigkeit ist.“

Auch seine Botschaft an andere Handwerksbetriebe ist klar: Internationalisierung ist keine Frage der Größe, sondern der Haltung. Oder wie es bei Bornemann heißt: „Konzerne sind die Tanker, wir sind das Schnellboot.“

Ein Schnellboot, das zeigt, wie das Handwerk aus der Region die Welt erobern kann.

Bei Bornemann werden Gewinde bis zu zwölf Metern Länge produziert. Foto: Bornemann Gewindetechnik GmbH
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