Bornemann Gewindetechnik gewinnt beim Innovationspreis

Die Firma Bornemann Gewindetechnik aus Delligsen wurde beim Innovationspreis der Region Göttingen/Northeim mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Ihr neues System zur Echtzeitüberwachung von Außengewinden setzt neue Maßstäbe. Was bedeutet das für die Zukunft der Gewindetechnik?

Bornemann Gewindetechnik erhält 3. Platz beim Innovationspreis.
Bornemann-Chef Moritz von Soden (Dritter von rechts) bei der Preisverleihung. Foto: WRGN & Marco Bühl Photography

Delligsen. In Göttingen wurde jetzt der Innovationspreis der Region Göttingen/Northeim vergeben. In drei Kategorien standen insgesamt 15 Nominierte im Finale – zuvor hatten sich 130 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen um die Auszeichnung beworben. Die Firma Bornemann Gewindetechnik aus Delligsen erreichte in der Kategorie „Unternehmen über 20 Mitarbeitende“ den dritten Platz.

Bornemann Gewindetechnik ist laut eigener Mitteilung das weltweit erste Unternehmen, dem es gelungen ist, den Wirbelprozess von Außengewinden in Echtzeit zu überwachen und aktiv zu regeln. Damit werde ein Präzisionsniveau erreicht, das bislang ausschließlich dem Gewindeschleifen vorbehalten war – jedoch erheblich schneller, effizienter und mit dokumentierten Echtzeit-Messdaten.

Die technologische Basis bildet demnach die Dissertation von Dr.-Ing. Tom Niklas Klages, durchgeführt am Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz Universität Hannover und in enger Zusammenarbeit mit Bornemann. Das neue System misst während des Wirbelns die Steigungsfehler, wertet die Daten sofort aus und nimmt automatische Korrekturen vor.

Fehlerreduzierung um 38 Prozent

Das neu entwickelte Messsystem. Quelle: Bornemann Gewindetechnik GmbH & Co. KG

Die Ergebnisse der Entwicklung seien beeindruckend: In den Versuchsreihen konnten die Steigungsfehler um bis zu 38 Prozent reduziert werden – ein deutlicher Schritt hin zu noch präziseren Gewindeprofilen. Gleichzeitig liefere das System vollständig dokumentierte Echtzeit-Messdaten, die den gesamten Prozess transparent und rückverfolgbar machen. Besonders hervorzuheben sei jedoch die erreichte Gewindegenauigkeit: Mit einer Steigungsgenauigkeit von 0,005 Millimetern auf 300 Millimetern setze die Technologie neue Maßstäbe, selbst in Branchen, die extrem hohe Anforderungen an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Präzision stellen.

Die Grundlage der Innovation geht auf eine Idee von Hans Gereke-Bornemann aus dem Jahr 2018 zurück. Der Gründer hatte das Ziel, Abweichungen im Gewindeprofil mithilfe von Kameratechnik und Schattenwurf sichtbar zu machen und unmittelbar im Prozess zu kompensieren. Die nun realisierte Lösung verbinde diesen unternehmerischen Weitblick mit wissenschaftlicher Exzellenz und hebe die Gewindefertigung auf ein neues Niveau.

Forschung als Fundament für die kommenden Jahre

Für die kommenden Jahre plant Bornemann weitere Kooperationen mit dem Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz Universität Hannover, der HAWK in Göttingen sowie der University of Applied Sciences in Turku, Finnland.

Die kommenden Forschungsprojekte setzen an den zentralen Zukunftsthemen der Gewindetechnik an. Im Fokus stehen die weitere Steigerung von Gewindequalität und Maßgenauigkeit sowie die Automatisierung kompletter digitaler Prozessketten bis hin zu adaptiven Fertigungssystemen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz von KI, die künftig als intelligentes Regelsystem zum Teil die Angebotserstellung und Arbeitsplanerstellung automatisieren und optimieren soll. Darüber hinaus forscht Bornemann zu technologischen Möglichkeiten durch die Nutzung von SLM (Selective Laser Melting).

Neue Leitung Forschung & Entwicklung

Mit Abschluss seiner Promotion übernimmt Dr.-Ing. Tom Niklas Klages die Leitung der Abteilung „Forschung & Entwicklung“. Er soll gemeinsam mit dem Bornemann-Team neue Forschungsprojekte aufsetzen, die Technologie Roadmap fortschreiben und die internationale Zusammenarbeit ausbauen.

Geschäftsführer Moritz von Sode sagt: „Die Auszeichnung zeigt, welches Potenzial in der konsequenten Verbindung aus Forschung, unternehmerischem Mut und Industrieanwendung steckt.“ Bornemann exportiere in 57 Länder weltweit – und darauf sei man stolz.

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