Delligser Unternehmerin im „Reich der Mitte“

Kathrin von Soden, Geschäftsführerin von Bornemann Gewindetechnik, begleitet Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck nach Südkorea und China

Eine Frau steht vor einem Flugzeug
Kathrin von Soden, Geschäftsführerin von Bornemann Gewindetechnik in Delligsen, ist Teil der Delegation, die Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf seiner Asien-Reise begleitet.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) befindet sich seit Mittwoch auf einer fünftägigen Reise nach Südkorea und China. Dort trifft er sich mit Regierungsvertretern und Unternehmern, um die Beziehungen in den Bereichen Wirtschaft, Klimaschutz und Technologie zu stärken. Teil der Delegation um den Minister ist auch die Delligserin Kathrin von Soden, Geschäftsführerin des Unternehmens Bornemann Gewindetechnik.

„Diese Reise bietet eine hervorragende Gelegenheit, bestehende Geschäftsbeziehungen zu stärken und neue Partnerschaften zu knüpfen“, sagte von Soden. Sie sehe „großes Potenzial in beiden Ländern“. Besonders im Bereich der Bahntechnik wolle das Unternehmen sein China-Geschäft erweitern. Aber auch Südkorea sei ein bedeutender Markt – „insbesondere im Maschinen- und Schiffbau.“

Aus dem Hils in die Welt

Bornemann Gewindetechnik ist auf die Fertigung von High-Tech-Gewinden spezialisiert, die in zahlreichen (Maschinenbau-)Bereichen zum Einsatz kommen: Offshore, Öl und Gas, Medizintechnik, Bahntechnik, Nukleartechnik, Satellitentechnik und Unterwassertechnik. Nach eigener Auskunft beliefert das Unternehmen aus dem Hils Kunden in mehr als 50 Ländern auf dieser Welt.

Moritz von Soden, ebenfalls Geschäftsführer der Bornemann Gewindetechnik, lobbyiert bereits seit langem für den Mittelstand. Im Mittelstandsbeirat des Bundeswirtschaftsministeriums setzt er sich für die wirtschaftlichen Interessen deutscher Unternehmen ein. Anfang Juni begleitete er ebenfalls eine Wirtschaftsdelegation mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) nach China.

Eine Gruppe von Menschen im Flugzeug
Kathrin von Soden, Geschäftsführerin von Bornemann Gewindetechnik an Bord der Maschine der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung.

China: „Repressive Politik nach innen, offensives Auftreten nach außen“

Sowohl die EU als auch Deutschland haben im vergangenen Jahr ihre China-Strategie neu ausgerichtet. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird im Westen zunehmend als politisches und wirtschaftliches Sicherheitsrisiko wahrgenommen. Die Bundesregierung teilte im vergangenen Jahr mit, sie blicke besorgt auf Menschenrechtsverletzungen in China und beobachte eine „zunehmend repressive Politik nach innen und offensiveres Auftreten nach außen.“ Dennoch setzt sie auf Diplomatie: China sei für Deutschland „gleichzeitig Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale.“

Deutsche Unternehmen forderte die Bundesregierung auf, im Rahmen einer sogenannten De-Risking-Strategie (wirtschaftliche) Abhängigkeiten von China zu reduzieren. Das bilaterale Handelsvolumen zwischen Deutschland und China belief sich im vergangenen Jahr auf rund 254 Milliarden Euro, ein Zwölftel des gesamten deutschen Warenhandels.

Der Delligser Moritz von Soden wiederum sieht in der De-Risking-Strategie mögliche Gefahren für die deutsche Wirtschaft – und wohl auch für sein eigenes Geschäft. „In Bezug auf China ist es von großer Bedeutung, dass die Konsequenzen einer De-Risking-Strategie auf den Mittelstand berücksichtigt werden“, sagte er nach seiner China-Reise im Juni. Politik dürfe nicht „zu idealistisch geprägt sein“ und solle „vorrangig die Interessen der eigenen Wirtschaft vertreten“. Dabei müsse die Politik auch die „Realitäten in anderen Teilen der Welt berücksichtigen“.

„Wertepartnerschaft“ mit Südkorea

Wirtschaftsminister Habeck wird auf seiner aktuellen Reise von einer Wirtschaftsdelegation begleitet, deren Fokus bewusst auf mittelständische Unternehmen gelegt wurde. Vertreten sind elf Unternehmen aus verschiedenen Branchen.

Habeck: „Die Reise nach Ostasien unterstreicht unser breites, diversifiziertes Interesse an der Region. Mit Südkorea verbindet uns eine enge Wertepartnerschaft“, so Habeck. Das Land sei der zweitwichtigste Exportmarkt für Deutschland in Asien und „technologisch in Zukunftsbereichen weit fortgeschritten“.

Während seiner Reise nach Südkorea hat der deutsche Vizekanzler Treffen mit Premierminister Han Duck-soo und dem Minister für Handel, Industrie und Energie, Ahn Duk-geun, sowie mit Vertretern deutscher und EU-Unternehmen mit koreanischen Niederlassungen geplant.

Wirtschaftsminister ovn Deutschland und Premierminister von Südkorea geben sich die Hand.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit dem Premierminister von Südkorea Herrn Han Duck-soo.

Am Sonntag reist Habeck samt Delegation weiter nach China. Dort wird er unter anderem mit dem Vorsitzenden der staatlichen Entwicklungs- und Reformkommission, Zheng Shanjie, dem Handelsminister Wang Wentao sowie dem Industrieminister Jin Zhuanglong zusammentreffen. „China ist ein unverzichtbarer Partner bei globalen Herausforderungen, wie der Bekämpfung des Klimawandels“, so Habeck.

Auch in Sicherheitsfragen sei China ein wichtiger geopolitischer Akteur. Für viele deutsche Unternehmen spiele China zudem eine wichtige Rolle als Produktionsstandort und als Beschaffungs- und Absatzmarkt. „Deshalb ist es wichtig, dass wir im Gespräch bleiben und auch über faire und gleiche Wettbewerbsbedingungen sprechen.“

Menschen am Verhandlungstisch
Kathrin von Soden bei den Verhandlungen mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck.

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